Nachsichtigkeit kann bedeuten, dass man die Bäume in ihrem natürlichen Lebensumfeld wachsen lässt, ohne sich einzumischen. Oder man betreibt die Baumpflege daheim im Garten und sorgt dafür, dass sich Obst- und Zierbäume wohl fühlen und gut entwickeln. Einfach so geht das aber nicht. Wer lange Freude haben will an den Bäumen, muss sie korrekt behandeln. Ein schlechter Schnitt am falschen Ort reduziert die Überlebenschancen der Pflanze – und erfolgt die Neuanpflanzung zum unpassenden Zeitpunkt, haben es junge Bäumchen schwer. Es lohnt sich, einige Tipps im Umgang mit Bäumen zu befolgen, umso grösser ist die Freude oder auch der Ertrag danach. Garten- und Baumprofi Patrick Zuberbühler aus Dietikon hegt und pflegt im aargauischen und zürcherischen Limmattal Bäume aller Art. Er weiss über den respektvollen und gesunden Umgang mit Bäumen Bescheid und fasst einige Ratschläge zusammen.
    

Äste sollten so vom Stamm getrennt werden, dass eine wulstige Verdickung übrig bleibt.
Äste sollten so vom Stamm getrennt werden, dass eine wulstige Verdickung übrig bleibt.

Patrick Zuberbühler, welches ist die beste Zeit, um Bäume zu schneiden?

Im Winter, wenn die Gärtner wenig Arbeit haben! Nein, im Ernst: Bäume kann man grundsätzlich immer schneiden. Am besten ist es aber dann, wenn sie nicht im Saft stehen – und das ist im Herbst oder Anfang Winter. Und es sollte weder ganz heiss noch sehr kalt sein, also bei mittlerer Lufttemperatur. Eine alte Bauernregel besagt: «Schneide Steinobst im alten Jahr, das Kernobst im neuen.» Auf jeden Fall gibt es Unterschiede beim Schnitt je nach Baumsorte: Den japanischen Ahorn sollte man zum Beispiel im September schneiden. Im Frühling würde er zu stark nässen und viel Feuchtigkeit verlieren. Für Kirschbäume ist die Zeit zwischen Juni und Juli optimal – oder auch im Winter. Diese Jahreszeit eignet sich nicht zuletzt auch darum, weil man ohne Blätter die Struktur der Bäume besser sieht.

Ist die Wahl der Schnittwerkzeuge wichtig?

Ja, denn je sauberer der Schnitt, desto besser und schneller erfolgt die Wundheilung. Wir sprechen tatsächlich von Wunden, die genügend Zeit brauchen, um zu vernarben. Hierzu eignen sich starke Baumscheren oder Sägen – je nach Dicke des Astes. Mit einer elektrisch betriebenen Rebschere mit Spindelmechanik kann man Äste bis zu 40 mm Durchmesser durchtrennen. Bei einer Säge soll das Blatt sehr scharf und robust sein und am besten mit einer mittelgroben Verzahnung im Dreikantschliff versehen sein.
   

Der Schnitt beim Hauptstrang sollte oberhalb des jungen Astes angesetzt werden.
Der Schnitt beim Hauptstrang sollte oberhalb des jungen Astes angesetzt werden.

Muss man Äste an einem bestimmten Ort vom Hauptstamm trennen? Will man den Hauptstrang ableiten, also dafür sorgen, dass er nicht weiter nach oben wächst, ist es wichtig, den Schnitt kurz oberhalb eines jungen Astes anzusetzen. Äste wiederum sollten so vom Stamm getrennt werden, dass ein sogenannter Astring übrig bleibt, eine wulstige Verdickung, die schnellstmöglich verheilt. Früher hat man auf die Schnittfläche Wundsalbe aus künstlicher Rinde gestrichen. Diese Praxis hat aber gezeigt, dass sich durch die verbleibende Feuchtigkeit Pilze bilden können. Eine Wundsalbe kann aber helfen, einen verletzten Stamm im Bodenbereich zu schützen.

Worauf muss man achten, wenn man Sträucher und Hecken schneidet?


Hier ist der regelmässige Schnitt massgebend. Wer zu lange wartet und eine Hecke wuchern lässt, riskiert, dass sie im Innern verholzt. Wenn man das Gewächs nun stark zurückschneidet, besteht die Gefahr, dass es keine Blätter und überhaupt kein «Grün» mehr gibt. Insbesondere bei der Thujahecke muss man aufpassen. Eibenhecken sind diesbezüglich einfacher zu pflegen.

Gibt es auch einen besten Zeitpunkt, um Bäume zu pflanzen?

Dazu ist der Herbst prädestiniert. Dann gehen die Säfte im Baum zurück, und die Pflanze ist in einer Art Ruhephase. Wer vor dem Pflanzen Krone und Wurzeln leicht anschneidet, kann so den Baum «aktivieren» und ihm zu einem besseren Wachstum verhelfen. Thomas Pfann
 

Jahrbuch der Baumpflege

Auf den rund 450 Seiten des «Jahrbuchs der Baumpflege 2020» sind zahlreiche Fachartikel über Baumaufbau und -pflege, Baummanagement und -pflanzung, Wurzelraumoptimierung, aktuelle Baumkrankheiten und viele weitere Informationen zusammengefasst.

ISBN: 978-3-87 815-270-5