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Die Thurgauer Fraktion

Joel Scheidegger, Jan Mosimann und Florian Schmuckli sind bereit, nach dem Wechsel vom HC Thurgau zum EHC Olten gewichtige Rollen zu übernehmen und Verantwortung zu tragen.

Die Thurgauer Fraktion

Einer der besten Offensivverteidiger der Liga: Joel Scheidegger geht nun mit Olten auf Punktejagd.

«Schlechte Arbeit» sei im Verein geleistet worden, indem man die drei Leistungsträger Joel Scheidegger, Florian Schmuckli und Jan Mosimann habe ziehen lassen und damit das Team bedeutend schwächte. Das sagte HC-Thurgau-Trainer Stephan Mair, bekannt für seine ehrlichen Worte, in diesen Tagen in einem Interview gegenüber der Thurgauer Zeitung. Trauert ein Klub Spielern nach, haben diese wiederum so manches richtig gemacht. Tatsächlich: Joel Scheidegger schloss in der vergangenen Saison die Qualifikation als Topskorer des HC Thurgau ab. Auch Jan Mosimann (Playoff-Topskorer) und Florian Schmuckli waren wichtige Bausteine im Team der Ostschweizer für eine zufriedenstellende Saison.

Beim EHC Olten hat die Thurgauer Fraktion in der Saisonvorbereitung ihr Potenzial zumindest schon mal angedeutet und gezeigt, dass sie für verantwortungsvolle Aufgaben und Rollen infrage kommt. Unisono schwärmen die drei von ihrer Ankunft in Olten. «Ein super Team, sehr zugängliche Leute, ein professionell geführter Verein. Hier fühle ich mich sehr wohl», sagt Scheidegger stellvertretend.

Joel Scheidegger: Vom Beinahe-Profiende zum

National-League-Anwärter Wer Joel Scheidegger in der vergangenen Saison mit dem gelben Helm beim HC Thurgau spielen sah und ihn nun auch in den EHCO-Testspielen etwas genauer unter die Lupe nahm, fragt sich umgehend, wie es sein kann, dass der omnipräsente Offensivverteidiger erst in diesem Frühjahr seine ersten Erfahrungen auf Stufe National League sammeln konnte. Er schmunzelt über die Aussage und sagt: «Ja, ich erlebe gerade so etwas wie eine zweite Karriere.» Der Knopf ist dem 26-Jährigen etwas später als üblich aufgegangen. «Ich möchte nun den nächsten Schritt machen und für ein Topteam in dieser Liga mit professionellen Strukturen spielen. Für mich war der Wechsel zum EHC Olten deshalb logisch», sagt Scheidegger, der das Fernziel National League verfolgt. In einem Quali- sowie zwei Playoffspielen für Rapperswil merkte er, dass dieses Fernziel gar nicht mal unrealistisch ist. «Klar, es muss immer alles passen, aber es hat mir gezeigt, dass ich dorthin kommen kann. Aber jetzt bin ich erst mal happy, dass ich die nächsten zwei Jahre hier in Olten bin.»

Aufgewachsen in Thun, eifert Joel Scheidegger auf dem Eis seinem älteren Bruder nach, der wiederum früh aufhört mit dem Sport. Joel hingegen spielt schon früh auf hohem Juniorenniveau, das Talent blitzt durch, aber mit dem Profi sein beschäftigt er sich lange Zeit nicht. «Ich hatte immer sehr viel Freude am Hockey, aber hatte halt auch Interessen an anderen Dingen», sagt er und schmunzelt. Scheidegger absolviert eine dreijährige KV-Lehre, während der Ausbildung wechselt er zu den Elite-A-Junioren nach Bern – und ist dort mehr als bloss ein Mitläufer. «Ich begann mich viel professioneller zu verhalten.»

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Joel Scheidegger im Thurgauer Topskorer-Dress im Zweikampf mit Oltens Dion Knelsen.

Den Knopf beim HC Thurgauge löst

In Langenthal gehört er 2015/16 nach einem Tryout dem Kader der 1. Mannschaft an, kommt aber eher selten zum Zuge und wenn, dann eher mit einer ihm unpassenden defensiven Rolle. Scheidegger muss in der Folge einen Schritt zurück machen, wechselt in die erste Ligan ach Bellinzona, in der Hoffnung, auch mal für die Ticino Rockets zum Einsatz zu kommen. Doch dem war nicht so. «Es ging halt in Biasca eher darum, Lugano- und Ambri-Spieler zu fördern. Dem entsprechend war es zwar ein cooles, lernreiches Jahr in Bellinzona, aber sportlich doch sehr enttäuschend.»

Scheidegger beschliesst deshalb, das Kapitel Profieishockey zu beenden. Er konzentriert sich auf die Berufsmatura und bleibt in Huttwil bei Brandis in der MySports-League am Puck. «Ich hielt mich quasi fit, priorisierte das Eishockey aber nicht mehr.» Es wirkt befreiend: Scheidegger spielt «frisch von der Leber weg», wie er sagt. Der Spass am Eishockey ist zurück «und ich merkte, dass ich einfach grosse Freude am Kreieren habe.»

Mit 33 Skorerpunkten aus 31 Spielen werden die Swiss-League-Teams auf ihn aufmerksam, er entscheidet sich dafür, doch noch einmal den Profiweg einzuschlagen. Doch in Langenthal wird ihm wieder eine defensive Rolle zuteil, weshalb er sich zum Wechsel nach Thurgau beschliesst – und endlich so richtig im Profihockey Fuss fasst, den Knopf öffnet. Nun, in Olten, soll seine Reise weitergehen. «Ich erwarte von mir, dass ich jeden Tag hart an mir arbeite.» Vom Team schwärmt er regelrecht, spricht vom Motto «The Sky is the Limit» – nichts soll sie aufhalten können. «Wir sind eine coole Truppe, das gegenseitige Vertrauen ist da.» 
   

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Stürmer Jan Mosimann schiesst die besonders wichtigen Tore – auch beim EHC Olten?

Jan Mosimann: Der Mann für die Entscheidung

Wer als Hockeyfan den Namen Jan Mosimann hört, dürfte ihn vor allem mit einer grossen Szene in Verbindung setzen: Playoffs 2018, Spiel 7, Overtime! Jan Mosimann schiesst nach 77: 10 Minuten Rappers wil - Jona in die National League – und Kloten ins Swiss-League-Desaster. «Unvergesslich! Das absolute Highlight meiner Karriere», sagt Mosimann und schüttelt noch heute darauf angesprochen ungläubig den Kopf. «Das war pure Freude, aber auch eine Leere und eine grosse Erleichterung, dass es durch ist. Ich konnte es gar nicht richtig einordnen.»

Es habe viel Zeit gebraucht, Wochen, ja Monate, bis er alles habe verarbeiten können. «Auch in den Ferien danach: Ich konnte kaum abschalten, weil es so emotional war.» Cupsieg, B-Meister, Aufstieg. «Eine solche Saison ist schlicht nicht zu toppen», sagt Mosimann. Aber vor allem spielten sich immer wieder Szenen der unglaublichen Achterbahnfahrt-Serie im Kopf ab. Die 2:0-Führung nach Siegen, der plötzliche 2:3-Rückstand. «Es war verrückt, aber wir hatten einen so grossen Zusammenhalt im Team, es brach nie Panik aus, niemand wurde nervös. Wir waren wie in einer Blase, die sich wie eine eigene Wohlfühloase angefühlt hatte. Ich wusste: Mit diesen Jungs kann es gar nicht schiefgehen.»

Nach zwei Jahren National League mit Rapperswil-Jona wechselt der Rechtsschütze zum HC Thurgau, im Wissen darum, dass es eher eine Übergangslösung sein würde und er bald wieder in einem Topklub spielen möchte. Denn das Erlebte mache süchtig nach mehr. «Mich treibt das Gewinnen an und dafür gebe ich jeden Tag Vollgas. Ich möchte dem Erfolg alles unterordnen. »Und der grosse Erfolg, der sei auch beim EHC Olten möglich. «Viele Spieler wissen, wie man Meister wird und haben diese Erfahrung. Und mit Lars Leuenberger haben wir auch einen Trainer, der diese Erfahrung mitbringt. Man merkt, wie wir nun immer enger zusammenwachsen. Irgendwann in eine solche Blase zu kommen, die sich nach einer Wohlfühloase anfühlt, wäre schon cool.»

Das Ankommen in Olten sei speziell gewesen, da er gefühlt die Hälfte schon gekannt habe, mit Stan Horansky etwa verbrachte er die Elite Juniorenzeit in Biel, auch mit Simon Rytz kreuzten sich in Biel die Wege. Mit Florian Schmuckli wird er die fünfte Saison en suite im dritten Klub bestreiten. «Den bringe ich schon gar nicht mehr los», sagt er und lacht.

Jan Mosimann kam als kleiner Bub über den FC Bözingen zum Eishockey. In den Fussballtrainings sah er jeweils das Bieler Eisstadion – und wollte da mal rein. «Ich durfte dann mal einen Blick in die Hockeyschule werfen und dann wars schon passiert. Bis heute ist Eishockey meine grosse Leidenschaft und ein wichtiger Teil meines Lebens», sagt er.

2014 geht ein Traum in Erfüllung als Mosim annbei seinem Jugendverein einen Vertrag erhält. Doch die grösste Zeit der Saison verbringt er bei Ajoie, worauf er im Jura schliesslich für zwei Jahre unterschreibt. Den Sprung in die erste Mannschaft Biels nicht geschafft zu haben, sei schon enttäuschend gewesen. «Vor allem als junger Spieler ist man noch ungeduldig.» Aber man könne sich darüber den Kopf zerbrechen und kapitulieren oder zurückblicken und stolz auf das Erreichte sein. «Ich habe meinen Weg gemacht.» 
   

Die Thurgauer Fraktion-4
Für Verteidiger Florian Schmuckli ist der Wechsel zum EHC Olten eine Rückkehr.

Florian Schmuckli: Zurück an einem vertrauten Ort

Florian Schmuckli? Ja genau, dieser Florian Schmuckli! Vor fünf Jahren, in der Saison 2015/16, absolvierte er als Leihspieler der GC KLions die letzten fünf Qualispiele sowie 9 Playoffpartien für den EHC Olten. Obwohl vom damaligen EHCO-Kader kein einziger Spieler mehr im Team figuriert und sich auch im Management neben dem Eis vieles verändert hat, sei es nun von Beginnweg eine vertraute Umgebung gewesen. Dafür verantwortlich waren nicht zuletzt auch die Mitspieler. «Viele habe ich schon gekannt. Mit Lüthi spielte ich in Zug, mit Hüsler in Rapperswil, mit Maurer und Oehen in der EVZ Academy, mit Scheidegger und Mosimann sowieso. Es fühlte sich nicht an, als wäre ich ein Neuzuzug. Das hilft natürlich sehr.» An seinen Gastauftritt in Olten könne er sich noch gut erinnern, auch die Spiele gegen Ajoie im Playoff-Halbfinal waren ihm noch präsent. «Unruhig, wild und etwas chaotisch» sei es zu und her gegangen. Kein Wunder: Mitten in den Playoffs hatte der EHCO im März 2016 Trainer Heikki Leime gefeuert, zwei Spiele später war das Saisonende dennoch perfekt.

Schmuckli wuchs in Zug auf. «Wir spielten da zu sechst immer wieder Hockey. Ich war schliesslich der Einzige, der es durchgezogen hat. Ich kann schon sagen, dass ich meinen Traumlebe. Ich geniesse es jede Minute auf und neben dem Eis.» Nach sämtlichen Juniorenstationen in Zug und Nationalmannschaftseinsätzen von der U16 bis zur U20 erhielt er 2013 bei seinem Jugendverein einen Kontrakt. Doch die Hälfte der Meisterschaft spielte er beim damaligen B-Ligisten Basel. Erwechselte daraufhin für zwei Jahre zu den GCK Lions, wo er hin und wieder auch bei den ZSC Lions zum Einsatz kam. Dasselbe erlebte er 2016/17, zurück in der EVZ-Organisation als Captain der EVZ Academy, ehe die Rapperswil-Jona Lakers auf ihn aufmerksam wurden.

Jene Saison mit Cupsieg, B-Meister und Aufstieg wird auch für Florian Schmuckli unvergesslich sein. Was viele nicht wissen: Schmuckli war massgeblich am Overtime-Siegtreffer beteiligt, in dem er den zweiten Assist spielte. «Ich will es nicht leugnen: Das war mein schönstes Hockeyjahr. Diese Saison war neben dem Erfolg auch menschlich wichtig für mich. Ich habe gemerkt, wo mein Potenzial liegt, aber auch, wo meine Limiten sind», erzählt Schmuckli, der im Herbst neben dem Eishockey seine Diplomarbeit zum Betriebswirtschaftsfachmann abschliesst.

Schmucklis Reise führte, genauso wie bei Mosimann, nach zwei Jahren National League mit Rapperswil zum HC Thurgau. Doch nach einer Saison in der Ostschweiz wollte er zu einem Klub, der nicht all zu weit weg ist von seiner Heimat. In Olten stimme das Gesamtpaket. «Ich denke, wir sind auf einem sehr guten Weg. Der Trainerstaff bringt sehr viel Erfahrung mit, hat eine klare Linie und ist fordernd. Und wir sind als Team eine coole Truppe, die schon in den Testspielen gezeigt hat, dass wir füreinander einstehen. Das sind wichtige Zeichen, damit man Erfolg haben kann.» Silvan Hartmann 
  

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