Anzeige

Zeit gibt Geld eine Zukunft

In turbulenten Zeiten, wie sie die Corona-Krise hervorgerufen hat, ist der gutüberlegte Umgang mit Geld besonders relevant. Wo sind die Ersparnisse am sichersten? Wie legt man Geld am erfolgreichsten an? Wann sorgt man am besten vor? Christian Wüthrich, Leiter Private Banking, Olten, bei der Aargauischen Kantonalbank (AKB), hat die Antworten dazu.

Christian Wüthrich, Leiter Private Banking, Olten, bei der Aargauischen Kantonalbank. Bild: zvg

2.07.2021

Man sagt, Zeit ist Geld. Trifft dies auch beim Investieren und Anlegen zu oder kann Zeit auch viel Risiko bedeuten?

Christian Wüthrich: Beim Anlegen ist es eher umgekehrt. Je mehr Zeit ich den Anlagen gebe, desto geringer ist das Verlustrisiko. Oder umgekehrt gesagt. Wenn ich einen längeren Anlagehorizont habe, kann ich auch mehr Risiko eingehen. Der Hintergrund dieser These ist der Umstand, dass bei genügend langer Anlagedauer zwischenzeitliche Korrekturphasen durch nachfolgende Erholungen überkompensiert werden. Der geduldige Anleger profitiert somit vom langfristigen Aufwärtstrend insbesondere der Aktienmärkte. Eine kurze Anlagedauer lockt zwar mit schnellen Spekulationsgewinnen, birgt jedoch ein erhebliches Verlustrisiko.

Bouygues E&S InTec Schweiz AG

Die Corona-Krise ist eine schwierige Lebensphase, sowohl für Arbeitnehmer als auch für Unternehmen. Welche Anlagestrategie ist momentan sinnvoll?

Die richtige Anlagestrategie wird auf der Basis verschiedener Risikoaspekte ermittelt. Das persönliche Empfinden von Risiken und der individuelle Umgang mit Risiken sind beide sehr individuell und ändern grundsätzlich nicht. Die Fähigkeit, überhaupt Risiken einzugehen, ergibt sich aus der möglichen Anlagedauer, der persönlichen Vermögenssituation sowie der aktuellen Lebensphase. Diese Parameter ändern sich im Laufe der Zeit und sollten deshalb periodisch überprüft werden. Die Folgen der Corona-Krise können da eine Rolle spielen und eine Anpassung der Anlagestrategie könnte durchaus angebracht sein. Ist das nicht der Fall, lohnt es sich aus der langfristigen Optik an der bestehenden Vermögensaufteilung festzuhalten. Nur so kann im Endeffekt das vorgängig definierte Renditeziel erreicht werden.

Ist es manchmal sogar besser, sein Geld einfach auf dem Konto zu belassen?

Diese Frage kann nicht absolut beantwortet werden, sondern muss in erster Linie im Zusammenhang mit dem Verwendungszweck der entsprechenden Gelder betrachtet werden. Sollen die Mittel kurzfristig zur Verfügung stehen und somit risikolos parkiert werden, sind sie auf dem Konto definitiv gut aufgehoben. Der Renditeaspekt ist in diesem Fall sekundär. Mittel- bis langfristig droht jedoch eine Entwertung der Mittel, insbesondere wenn die Inflation wieder in den positiven Bereich drehen sollte und die Zinsen gleichzeitig tief bleiben. Deshalb empfiehlt sich in einem solchen Fall, das nötige Risikobudget vorausgesetzt, ein Engagement an den Finanzmärkten mit höheren Renditeaussichten.

Finanzinstitute empfehlen das Sparen mit Fondssparplänen. Wie lange plant man diese Art von Sparen am sinnvollsten?

Idealerweise plant der Anleger seinen Kapitalaufbau via Fondssparplan über einen langfristigen Zeithorizont. Durch die grosse Flexibilität des AKB-Fondssparplans kann aber jederzeit auf Veränderungen der persönlichen Bedürfnisse eingegangen werden; sei es durch Veränderung der Anlagestrategie, durch zusätzliche Investitionen oder auch durch Entnahmen bei Anschaffungen oder finanziellen Engpässen. Der Anleger ist weder an eine Mindesteinlage noch an eine fixe Laufzeit gebunden.

Sind Fondssparpläne auch als Altersvorsorge geeignet?

Ja. Der Fondssparplan ist nebst der gebundenen Vorsorge das ideale Instrument, seine Altersvorsorge aufzubessern. Zum Zeitpunkt der Pensionierung oder der vorzeitigen Pensionierung könnte der Fondssparplan kostenlos in einen Entnahmeplan umgewandelt werden. Somit können Einkommenslücken einfach und bequem geschlossen werden.

Apropos Vorsorge: Macht es steuertechnisch Sinn, mehrere Säule-3a-Konti zu unterhalten und diese bei der Pensionierung zeitverschoben zu beziehen?

Ja, dadurch kann die Steuerprogression gebrochen werden. Eine verheiratete Person bezahlt bei einer einmaligen Auszahlung von 100 000 Franken rund 4210 Franken Steuern. Bei einer gestaffelten Auszahlung von je 50 000 Franken sind es total 2290. D. h. der gestaffelte Bezug bringt eine Ersparnis von rund 1900 Franken. Je nach Gemeinde und Konfession kann die Ersparnis mehr oder weniger sein.

Die Corona-Krise hat die Wirtschaft gebremst. Wagen Sie eine Konjunkturprognose fürs 2. Halbjahr?

Insbesondere in Europa und auch in der Schweiz verlief das Winterhalbjahr 2020/21 noch recht harzig. Dies hing mit den rigoroseren Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie und der eher verhalten angelaufenen Impfkampagne zusammen. Aktuell entwickelt sich das wirtschaftliche Geschehen jedoch erfreulich. Für das 2. Halbjahr 2021 rechnen wir daher mit einer spürbaren Beschleunigung der Konjunktur. Die Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandprodukt BIP dürfte gemäss unseren Prognosen im laufenden Jahr gegenüber 2020 um rund 4% zunehmen und damit den Rückgang des letzten Jahres sogar überkompensieren.

Interview: Thomas Pfann