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Lehrabbruch – wie weiter?

Eine falsche Berufswahl, belastende Aufgaben und Arbeiten, gesundheitliche Probleme, Schwierigkeiten mit Vorgesetzten, Mitarbeitenden oder in der Schule – Gründe für eine Vertragsauflösung gibt es viele. Doch was tun, wenn man betroffen ist?

Lehrbetriebe, verschiedene Abteilungen und Fachstellen bieten bei Lehrabbrüchen Hilfe an. Bild: berufsbildungplus.ch  

1.09.2021

Wie viele Jugendliche lösen einen Lehrvertrag auf? Das Bundesamt für Statistik hat schweizweit alle Jugendlichen, die 2015 ihre Berufslehre begonnen haben, in ihrer Laufbahn verfolgt. Von 54 799 Lernenden erlebten 9533 Jugendliche eine Lehrvertragsauflösung, 2119 sogar mehr als eine. Insgesamt waren also 21 Prozent des Jahrgangs betroffen. Etwas mehr als die Hälfte der Lehrvertragsauflösungen erfolgte dabei im ersten Lehrjahr.

Lehrvertragsauflösungen bedeuten aber nicht immer einen Lehrabbruch, obwohl die beiden Begriffe in der Öffentlichkeit oft synonym verwendet werden. Aus Sicht der lernenden Person kann man dann von einem «Lehrabbruch» sprechen, wenn sie nach einer Lehrvertragsauflösung aus dem Berufsbildungssystem aussteigt und kein Wiedereinstieg in eine Berufslehre erfolgt. Von den schweizweit 11 652 von einer Lehrvertragsauflösung betroffenen Jugendlichen schafften 9240 den Wiedereinstieg. 80 Prozent davon konnten dies unmittelbar im ersten Jahr nach der Lehrvertragsauflösung erreichen. 55 Prozent der betroffenen Lernenden wechselten dabei in einen anderen Lehrberuf, 45 Prozent fuhren mit dem gleichen Lehrberuf weiter. Soweit die Fakten. Doch wie werden die Betroffenen unterstützt und wo finden sie Hilfe?

Lehrbetriebe

Häufig bieten die Lehrbetriebe selbst Hand für eine Lösung. Bei einer Überforderung kann beispielsweise das erste Lehrjahr wiederholt werden oder es wird eine Berufslehre mit weniger grossen Anforderungen im gleichen Betrieb angeboten.


«Lehrvertragsauflösungen bedeuten nicht immer einen Lehrabbruch.»


Kantonale Fachstellen

Neben den Lehrbetrieben bieten verschiedene Abteilungen und Fachstellen Hilfe bei Lehrabbrüchen an. Die Beraterinnen und Berater dort unterstützen Jugendliche und Lehrbetriebe bei Unstimmigkeiten und Konflikten. So können entweder Lehrvertragsauflösungen vermieden werden oder Lernende an andere Lehrbetriebe vermittelt werden. Die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung bietet den betroffenen Jugendlichen umfassende Beratungen an. Gerade Jugendliche, die im ersten Lehrjahr feststellen, dass ihr gewählter Beruf nicht zu ihnen passt, können eine vertiefte Beratung in Anspruch nehmen, um einen anderen Weg in ihrer Laufbahn zu finden.

Abschluss als Grundlage

Jugendliche, die das Bildungssystem ohne Abschluss einer beruflichen Grundbildung oder einer Mittelschule verlassen, haben eingeschränkte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Auch droht das Risiko von Arbeitslosigkeit oder gar Abhängigkeit von der Sozialhilfe. Deshalb ist es ein übergeordnetes gesellschaftliches Ziel, dass Jugendliche mit einem Abschluss auf Sekundarstufe II eine gute Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn erlangen. Diese Verantwortung und Unterstützung zugunsten der Jugendlichen nehmen die Lehrbetriebe und die Hauptabteilung Berufsbildung mit ihren Fachstellen tagtäglich wahr. Thomas von Felten

Thomas von Felten
Hauptabteilung Berufsbildung
Basel-Landschaft