Martin Wey, wie organisieren Sie Ihren Schreibtisch – als kreatives Chaos oder mit pragmatischer Strenge?

Mein Alltag mit den vielen Terminen und Aufgaben ist schon stark strukturiert, darum sind meine Dossiers sowohl auf dem PC als auch in den Schränken gut geordnet und jederzeit griffbereit. Auf dem Pult befinden sich aber immer zahlreiche Unterlagen zu verschiedenen Projekten. Es herrscht eine Art «inspiratives» Chaos, das mich immer auch unterstützt bei der kreativen Arbeit.
      

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Und wie ist die Verwaltung der Stadt Olten organisiert?

Die Stadtverwaltung ist in fünf Direktionen organisiert, die jeweils strategisch von einem Stadtratsmitglied und operativ von einem Direktionsleiter geführt werden. Die Arbeit erfolgt prozessorientiert. Dazu hilft die Digitalisierung, die es möglich macht, Projekte von A bis Z zu begleiten, und Informationen für alle involvierten Abteilungen jederzeit bereithält. Bezüglich der räumlichen Verhältnisse hat die Stadtverwaltung Olten Glück: Das in den 60er-Jahren gebaute Hochhaus bietet Platz genug für alle städtischen Abteilungen.

In der Marktwirtschaft sollen Betriebsoptimierungen für Geschäftserfolg sorgen. Verfolgt eine Stadt ähnliche Ziele?

Eine Stadtverwaltung ist kein gewinnorientiertes Unternehmen. Sie können sich aber vorstellen, dass ein Wegfall von Steuereinnahmen im Umfang von 25 bis 30 Mio. Franken, wie die Stadt Olten ihn in den Jahren 2013/14 erlebte, eine Überprüfung des gesamten Verwaltungsbetriebs auf Kosten und Effizienz erforderte. Diesen Aufgaben haben wir uns gestellt und in diesen Jahren den Umsatz um 30 Mio. Franken reduzieren und fast 40 Stellen abbauen müssen. Der Finanzhaushalt ist nun stabilisiert, wir sind gut aufgestellt.

Worin bestehen die Unterschiede zwischen den Tätigkeitsbereichen bei der Stadtverwaltung und als selbstständiger Anwalt?

Es sind zwei Paar Schuhe, als Anwalt die Interessen einer Person oder als Vorsteher einer Stadtverwaltung die Interessen der Öffentlichkeit zu vertreten. Als Unternehmer musste ich Entscheide alleine treffen – im Verwaltungsbetrieb sucht man mehrheitsfähige Lösungen und kann Entscheide im Gremium fällen.

Welche Aufgaben waren während der Corona-Krise am dringendsten?

Die Herausforderung bestand und besteht darin, die Vorschriften des Bundes jeweils innert Kürze auf der Gemeindeebene umzusetzen: Welche Dienstleistungen und Angebote können aufrechterhalten bleiben? Dies betraf auch öffentliche Räume wie Parks oder Wege: Wenn sie zugänglich bleiben, unter welchen Voraussetzungen? Und: Können städtische Anlässe durchgeführt werden? Innerhalb der Verwaltung haben wir unsere Präsenz aufgeteilt zwischen der Anwesenheit im Büro und dem Arbeiten im Homeoffice.

Wie schätzen Sie die Situation für Künstler, Sportler, Veranstalter und Organisatoren in Olten ein?

Die Lage ist schwierig, weil alle Anlässe und Akteure miteinander verknüpft sind. Findet die Oltner Chilbi nicht statt, verlieren Vereine und Gewerbetreibende eine ihrer grössten Einnahmemöglichkeiten des Jahres. Geschlossene Theater bedeuten keine Auftritte für Künstler, ohne Hockeymatches kein zahlendes Publikum. Diese Problematik betrifft die ganze Bevölkerung. Die Stadt Olten bietet dabei so viel Unterstützung an wie möglich.

Wann wird es in Olten wieder so sein wie früher?

Das lässt sich schwer voraussagen. Nach wie vor sind die Abstandsregeln in Kraft, was die Durchführung von vielen Anlässen und die Nutzung vieler Angebote verkompliziert. Es wird interessant sein mitzuverfolgen, was aus den vergangenen Wochen langfristig in den Köpfen der Menschen hängen bleibt.

Haben Sie Ihre weitere Zukunft nach der Amtszeit als Stadtpräsident schon geplant?

Pläne gibt es viele, konkret organisiert habe ich noch nichts. Ich freue mich jedenfalls auf alles Neue, das kommt! Interview: Thomas Pfann